Der schönste Sport der Welt
27. Mai 2026 · M. Wunder · BLOGS - TISCHTENNIS

0:2 zurück, 3:3 erzwungen, Titel im Herzschlagfinale gerettet: Wels triumphiert mit drei Ballpunkten Vorsprung

Es war ein Finale, wie es der Tischtennissport nur selten erlebt: voller Dramatik, voller Wendungen, voller Nervenkrieg. Felbermayr Wels lag gegen Grunddurchgangssieger Panaceo Stockerau bereits mit 0:2 zurück, stand mit dem Rücken zur Wand und schien dem Titel zu entgleiten. Doch der Titelverteidiger stemmte sich gegen das Aus, kämpfte sich Punkt für Punkt zurück, erzwang das 3:3 und krönte sich in Wiener Neustadt am Ende nach absolutem Gleichstand in den Sätzen durch gerade einmal drei Ballpunkte Vorsprung erneut zum Meister.

Felbermayr – Wels ist Meister 2026

Nach sechs Partien stand es 3:3, auch das Satzverhältnis war mit 13:13 völlig ausgeglichen. Erst der Blick auf das Ballverhältnis entschied diesen Bundesliga-Thriller: 232:229 für Wels. Drei Punkte. Drei winzige Momente. Drei Ballwechsel, die über Meisterjubel und bittere Leere entschieden.

Um 22:33 Uhr brachen alle Dämme. Zhao Zhaoyan hatte soeben Mykhailo Lovha mit 3:1 bezwungen und damit den Ausgleich zum 3:3 fixiert. Sekunden später wurde der erst im Jänner verpflichtete Chinese von seinen Teamkollegen gestürmt. Aus einem fast verlorenen Abend wurde ein unvergesslicher Triumph. Aus einem 0:2-Rückstand wurde der fünfte Meistertitel für Felbermayr Wels.

Dabei hatte zunächst alles nach Stockerau ausgesehen. Youssef Abdelaziz gewann das Auftaktduell gegen Zhao Zhaoyan hauchdünn im Decider mit 6:5, nachdem er zuvor drei Matchbälle abgewehrt hatte. Danach legte Mykhailo Lovha mit einem 3:1 gegen Maciej Kolodziejczyk nach. Stockerau führte 2:0, Wels taumelte, der Titelverteidiger stand vor dem Abgrund.

Doch dann trat Felix Wetzel ins Rampenlicht. Wie schon im Halbfinale gegen Wiener Neustadt wurde der Bayer zum Mann der Wende. Gegen Ägyptens Star Khalid Assar lag Wetzel bereits mit 1:2 zurück, doch er biss sich in die Partie, zwang den Decider und gewann diesen mit 6:2. Es war nicht nur der erste Sieg Wetzels im direkten Duell mit Assar, sondern auch der Moment, in dem Wels wieder zu leben begann.

Anschließend setzte Wetzel gemeinsam mit Maciej Kolodziejczyk noch einen drauf. Im Doppel gegen Khalid Assar und Youssef Abdelaziz holte das Welser Duo ein starkes 3:1 und stellte den Ausgleich her. Plötzlich war das Finale wieder offen. Plötzlich war aus Stockeraus sicher geglaubtem Vorsprung ein Nervenspiel geworden.

Zwar brachte Abdelaziz Stockerau mit einem 3:1 gegen Kolodziejczyk noch einmal in Führung, doch das letzte Wort gehörte Zhao Zhaoyan. Gegen Mykhailo Lovha blieb er im entscheidenden Match stabil, verwandelte den Druck in Präzision und ließ Wels mit seinem 3:1-Erfolg jubeln.

„Diese Spannung und die Qualität der Spiele – das war Werbung für den Tischtennissport. Wir freuen uns über die Revanche an Stockerau für die Cup-Final-Niederlage“, sagte Wels-Trainer David Huber nach dem dramatischen Titelgewinn. Weltmeister Werner Schlager überreichte dem alten und neuen Meister schließlich den Pokal.

Für Stockerau blieb nach einem großen Finalkampf nur die bittere Erkenntnis, dass drei Ballpunkte über alles entschieden hatten. Mykhailo Lovha verabschiedet sich nach Havirov, Youssef Abdelaziz wechselt nach Frankreich. David Serdaroglu, der als Coach fungierte, kehrt zum Cup-Sieger zurück.

1. Herren-Bundesliga, Finale

BegegnungErgebnis
Felbermayr Wels – Panaceo Stockerau3:3
Satzverhältnis13:13
Ballverhältnis232:229
SpielErgebnis
Zhao Zhaoyan – Youssef Abdelaziz2:3, Decider 5:6
Maciej Kolodziejczyk – Mykhailo Lovha1:3
Felix Wetzel – Khalid Assar3:2, Decider 6:2
Felix Wetzel/Maciej Kolodziejczyk – Khalid Assar/Youssef Abdelaziz3:1
Maciej Kolodziejczyk – Youssef Abdelaziz1:3
Zhao Zhaoyan – Mykhailo Lovha3:1
Facebook