Mein Autofahren im Jahr 2026: Einsteigen. Starten. Assistenzsysteme ausschalten. Losfahren.
Es ist 2026.
Gerald Markel stellt fest.
Ich steige in mein Auto ein.
Ich starte den Motor.
Ich schalte die Assistenzsysteme aus.
Ich sage leise: „Scheiß-EU.“
Und ich fahre los.
Ein alltägliches Ritual in einer Zeit, in der sich viele Autofahrer nicht mehr wie Kunden fühlen – sondern wie Nutzer eines rollenden Erziehungsprogramms.

Ich habe es satt, beim Autofahren permanent bevormundet zu werden.
Das Auto war einmal ein Symbol für Freiheit, Individualität und technische Meisterleistung. Heute fühlt es sich zunehmend wie eine mobile Erziehungsanstalt an: Es piepst, warnt, korrigiert, bremst, lenkt und überwacht.
Natürlich: Sicherheit ist wichtig. Natürlich können Assistenzsysteme in bestimmten Situationen Leben retten.
Aber irgendwann stellt sich die Frage: Bauen wir noch Autos für Menschen – oder bauen wir Menschen für Autos, die ihnen vorschreiben, was sie tun dürfen?
Während Europa erzieht, baut China
Während sich Europa in endlosen Diskussionen über Verbote, Regulierung und Klimaziele verliert, passiert auf der anderen Seite der Welt etwas Bemerkenswertes.
China baut Autos.
Nicht nur Elektroautos. Nicht nur billige Fahrzeuge.
Sondern Fahrzeuge mit Technologien, von denen europäische Kunden vor wenigen Jahren noch dachten, sie kämen aus Science-Fiction-Filmen: riesige Displays, intelligente Software, autonome Fahrfunktionen, moderne Batterietechnik, beeindruckendes Design – und das zu Preisen, bei denen europäische Hersteller zunehmend Schwierigkeiten bekommen.
Der vielleicht größte Unterschied:
China baut Autos, die der Kunde offenbar haben möchte.
Europa baut zunehmend Autos, von denen Politiker und Bürokraten glauben, dass der Kunde sie haben sollte.
Das ist ein gefährlicher Unterschied.
Eine Unterhaltung am Hafen von Koper
Ich bin derzeit beruflich in Koper, Slowenien.
Ein Logistikprojekt.
Ein Hafenrestaurant direkt an der Bucht von Koper.
Am Tisch sitzen zwei Manager eines internationalen Logistikkonzerns.
Natürlich kommt irgendwann das Thema Autos auf. Männer reden eben über Autos – auch heute noch. Zumindest außerhalb mancher europäischer Großstadtblasen, in denen man dieses Thema inzwischen fast entschuldigend behandeln muss.
Ich erzähle von meinem neuen Firmenfahrzeug aus dem VW-Konzern.
Technisch beeindruckend – keine Frage.
Aber gleichzeitig ein Symbol für eine Entwicklung, die viele Autofahrer frustriert:
Assistenzsysteme, die den Fahrer immer stärker kontrollieren.
Noch kann ich sie abschalten.
Noch.
Dazu ein kleines Detail aus der Praxis:
Ein Notrufknopf mit Touchsensor, platziert wenige Zentimeter hinter dem Öffnungsfeld des Schiebedachs.
Das Ergebnis?
Man aktiviert ihn beinahe täglich versehentlich.
Ein kleines Beispiel dafür, wie weit sich manche Entwickler vom echten Alltag eines Autofahrers entfernt haben.
Das verschwundene Schiebedach
Apropos Alltag:
Bei vielen Limousinen und Kombis der gehobenen Klassen von VW, Audi oder BMW gibt es mittlerweile keine Schiebedächer mehr.
Warum?
Eine wirklich überzeugende Erklärung bekommt der Kunde selten.
Das Schiebedach war jahrzehntelang ein beliebtes Ausstattungsmerkmal.
Heute lautet die Botschaft offenbar:
Schiebedach ist gut.
Aber aus.
„Siehst du die Schiffe dort?“
Während unseres Gesprächs zeigt einer meiner Gesprächspartner hinaus aufs Meer.
„Siehst du die Schiffe dort?“
Vor dem Hafen liegen mehrere große Autotransporter.
„Das sind chinesische Autos. Sie warten teilweise tagelang darauf, gelöscht zu werden. Die Häfen haben kaum noch Platz für die Fahrzeuge.“
Ich bin skeptisch.
Also überprüfe ich die Zahlen.
Und tatsächlich:
Der Wandel ist enorm.
China hat sich innerhalb weniger Jahre vom wichtigsten Absatzmarkt europäischer Hersteller zum stärksten Wettbewerber entwickelt.
Der Import chinesischer Fahrzeuge nach Europa ist explosionsartig gestiegen.
Europa exportiert weniger Fahrzeuge als früher, während chinesische Hersteller immer stärker in den europäischen Markt drängen.
Eine industrielle Zeitenwende.
Das Auto als Symbol des europäischen Abstiegs?
Das Auto war mehr als nur ein Produkt.
Es war ein Symbol.
Für deutsche Ingenieurskunst.
Für europäische Technologie.
Für Wohlstand und industrielle Stärke.
Über Jahrzehnte wollte die ganze Welt europäische Autos fahren.
Mercedes, BMW, Audi, Volkswagen, Porsche – diese Marken waren Botschafter Europas.
Und heute?
Europa kämpft darum, eine Industrie zu verteidigen, die es selbst durch immer komplexere Vorgaben, immer höhere Kosten und immer mehr Regulierung unter Druck gesetzt hat.
Rund 14 Millionen Menschen in der Europäischen Union leben direkt oder indirekt vom Automobilsektor.
Ein erheblicher Anteil der europäischen Arbeitsplätze hängt an dieser Industrie.
Das Auto war eine der großen Erfolgsgeschichten Europas.
Die Frage ist:
Wird daraus gerade eine der größten Fehlentscheidungen Europas?
Freiheit braucht Verantwortung.
Es geht nicht darum, jede neue Technologie abzulehnen.
Gute Assistenzsysteme können sinnvoll sein.
Aber zwischen Unterstützung und Entmündigung gibt es einen entscheidenden Unterschied.
Ein Autofahrer sollte Herr über sein Fahrzeug bleiben.
Wer zusätzliche Unterstützung möchte, soll sie kaufen können.
Wer autonomes oder stark assistiertes Fahren bevorzugt, soll diese Möglichkeit bekommen.
Aber daraus einen Zwang zu machen?
Das ist der Punkt, an dem viele Menschen Widerstand leisten.
Denn Autofahren war nie nur Fortbewegung.
Es war immer auch ein Stück Freiheit.
Ich muss weiter.
Mein Auto wartet.
Ich steige ein.
Ich starte den Motor.
Ich schalte die Assistenzsysteme aus.
Und ich fahre los.
Denn eines sollte auch 2026 noch gelten:
Das Auto gehört dem Menschen – nicht umgekehrt.