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29. Juli 2026 · Manfred Wunder · FREIE MEINUNG

Die verborgene Kraft des Beckens: Wie Muskelverspannungen unseren Körper steuern und was wir dagegen tun können

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum so viele Menschen im Alter unter Knieproblemen, Hallux valgus oder sogar Krampfadern leiden? Oft suchen wir die Ursache genau dort, wo der Schmerz auftritt – am Knie, am Fuß oder an den Venen. Doch was wäre, wenn der wahre Übeltäter ganz woanders sitzt? In einem faszinierenden Vortrag beleuchtet der Gesundheitsexperte Evgeny Bozhiev eine revolutionäre Sichtweise auf unseren Bewegungsapparat: Orthopädische Probleme entstehen fast immer von oben nach unten, ausgehend von unserem Beckengürtel.



In diesem Artikel tauchen wir tief in die Biomechanik unseres Beckens ein, entschlüsseln die geheimnisvolle Sprache unserer Muskeln und zeigen Ihnen praktische Lösungsansätze, wie Sie durch gezieltes Dehnen und ein neues Körperbewusstsein Ihre Gesundheit nachhaltig verbessern können.

Das Becken als Zentrum der Macht

Unser Becken ist das Fundament unseres Körpers. Es verbindet den Oberkörper mit den Beinen und trägt maßgeblich zu unserer Stabilität und Beweglichkeit bei. Laut Bozhiev wird der Tonus, also die Grundspannung, des Beckens von zwei entscheidenden, antagonistischen (gegensätzlichen) Muskelgruppen bestimmt:

1. Der Lenden-Darmbein-Muskel (Musculus iliopsoas): Dieser tief liegende Muskel verbindet die Lendenwirbelsäule mit dem Oberschenkelknochen. Er ist unser stärkster Hüftbeuger.

2. Die Gesäßmuskulatur (Glutealmuskeln): Diese Muskelgruppe, zu der auch der große Gesäßmuskel (Gluteus maximus) gehört, ist für die Streckung der Hüfte und die Außenrotation der Beine verantwortlich.

Das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Muskelgruppen ist von entscheidender Bedeutung. Ist eine Gruppe zu stark oder zu schwach, gerät das gesamte System aus den Fugen.

Der Selbsttest: Was Ihre Füße über Ihr Becken verraten

Eine der verblüffendsten Erkenntnisse aus Bozhievs Vortrag ist, wie einfach sich ein Ungleichgewicht in der Beckenmuskulatur diagnostizieren lässt. Sie benötigen dafür keine teuren Geräte, sondern nur eine flache Unterlage und einen Moment der Entspannung.

Legen Sie sich flach auf den Rücken und lassen Sie Ihre Beine locker fallen. Beobachten Sie nun die Position Ihrer Füße:

• Der Normalzustand: Ihre Füße fallen natürlich in einem Winkel von etwa 45 Grad nach außen. Dies deutet auf ein harmonisches Gleichgewicht zwischen dem Lenden-Darmbein-Muskel und der Gesäßmuskulatur hin.

• Die Füße fallen extrem weit nach außen (fast flach): Dies ist ein klares Zeichen für eine Verspannung der Gesäßmuskulatur. Die Außenrotatoren ziehen die Beine zu stark nach außen.

• Die Füße zeigen nach innen: Hier liegt eine Verspannung des Lenden-Darmbein-Muskels (Iliopsoas) vor. Der Muskel zieht die Beine nach innen.

Dieser einfache Test ist ein mächtiges Werkzeug, um die verborgenen Spannungen in Ihrem Körper zu erkennen, noch bevor sie zu ernsthaften Problemen führen.

Wenn die Muskeln streiken: Die weitreichenden Folgen von Verspannungen

Ein Ungleichgewicht im Becken bleibt selten ohne Folgen. Die Auswirkungen können den gesamten Körper betreffen und äußern sich oft in Beschwerden, die wir auf den ersten Blick nicht mit dem Becken in Verbindung bringen würden.

Die Tücken der Gesäßmuskulatur

Eine chronische Verspannung der Gesäßmuskulatur führt primär zu einer erhöhten Belastung des Hüftgelenks. Auf Dauer kann dies die Entstehung einer Coxarthrose (Arthrose des Hüftgelenks) begünstigen. Der ständige Druck und die unnatürliche Zugbelastung führen zu einem vorzeitigen Verschleiß des Gelenkknorpels.

Der Lenden-Darmbein-Muskel als heimlicher Störenfried

Noch weitreichender sind die Folgen einer Verspannung des Lenden-Darmbein-Muskels (Iliopsoas). Bozhiev macht diesen Muskel für eine Vielzahl von Problemen verantwortlich:

• Haltungsschäden: Ein verspannter Iliopsoas zieht den Oberkörper nach vorn. Die Folge ist ein Gehen mit leicht gebeugten Knien oder einem nach vorn geneigten Oberkörper. Oft wird dies fälschlicherweise als „Altersschwäche“ abgetan, dabei ist es ein rein mechanisches Problem.

• Beckenboden und Schließmuskel: Die Spannung im Becken wirkt sich auch auf die inneren Organe aus. Bei Frauen kann dies zu einer schwachen Blase und Inkontinenz bei plötzlichem Harndrang führen. Männer leiden häufig unter nächtlichem Harndrang.

• Tumorwachstum: Eine besonders kontroverse, aber interessante These des Experten ist, dass chronische Verspannungen in diesem Bereich das Wachstum gutartiger Tumore begünstigen können, wie beispielsweise Myome der Gebärmutter bei Frauen oder Prostataadenome bei Männern. Die veränderte Durchblutung und die ständige mechanische Reizung könnten hierbei eine Rolle spielen.

Die Domino-Effekte: Muskelketten und ihre Tücken

Unser Körper ist kein Sammelsurium isolierter Muskeln, sondern ein komplexes Netzwerk aus Muskelketten, die über Faszien und Nerven miteinander verbunden sind. Wenn der Ursprung einer solchen Kette im Becken verspannt ist, leidet unweigerlich die gesamte Kette bis hinunter zu den Füßen.

MuskelketteVerbindungFolgen bei Verspannung
Lenden-Darmbein-Kette (Iliopsoas)Oberschenkelrückseite, vordere Wadenmuskulatur (Schienbein)Spreizfuß (Absinken des Quergewölbes), Hallux valgus (Schiefstand des großen Zehs)
Gesäßmuskel-KetteOberschenkelvorderseite (Quadrizeps), hintere WadenmuskulaturGonarthrose (Kniegelenksarthrose), Plattfuß (Absinken des Längsgewölbes), Krampfadern (Varikose)

Besonders interessant ist die Erklärung zur Entstehung von Krampfadern: Eine verspannte hintere Wadenmuskulatur verliert ihre Fähigkeit, als „Muskelpumpe“ zu fungieren. Normalerweise unterstützt diese Pumpe den Rückfluss des venösen Blutes gegen die Schwerkraft zum Herzen. Fällt sie aus, staut sich das Blut in den Beinen, und die Venen weiten sich – Krampfadern entstehen.

Energie und Psyche: Der Körper als Spiegel der Seele

Bozhiev belässt es nicht bei der reinen Biomechanik, sondern schlägt eine Brücke zur energetischen und psychologischen Ebene. Er verknüpft die Muskelgruppen mit unterschiedlichen Energien:

• Lenden-Darmbein-Muskel = Weibliche Energie: Diese Energie zieht den Körper zusammen, schützt ihn und führt zu einer Einwärtsdrehung (Füße nach innen).

• Gesäßmuskulatur = männliche Energie: Diese Energie öffnet den Körper, signalisiert Dominanz und Präsenz (Beine breit).

Diese Sichtweise liefert spannende Erklärungsansätze für alltägliche Beobachtungen:

Frauen, die beispielsweise ohne Partner leben und in Beruf und Alltag „ihren Mann stehen“ müssen, bauen oft ein Übermaß an „männlicher Energie“ auf. Dies kann sich in einer Verspannung der Gesäßmuskulatur und einem breitbeinigen Gang äußern.

Umgekehrt neigen Jungen oder Männer, die unsicher sind, sich schwach fühlen oder wenig Selbstbewusstsein haben, dazu, mit nach innen gedrehten Füßen zu gehen. Dies spiegelt einen Mangel an männlicher Energie und eine Verspannung des Iliopsoas wider.

Der Weg zur Heilung: Praktische Lösungsansätze

Die gute Nachricht ist: Wir sind unseren Muskelverspannungen nicht hilflos ausgeliefert. Wenn die Ursache mechanischer Natur ist, muss auch die Lösung mechanisch sein.

1. Die Macht des Dehnens (Stretching)

Die wichtigste und effektivste Maßnahme gegen all diese physischen Probleme ist das gezielte Dehnen der verspannten Muskeln. Wenn Sie durch den Selbsttest herausgefunden haben, welche Muskelgruppe bei Ihnen verkürzt ist, sollten Sie diese regelmäßig dehnen. Ein geschmeidiger Muskel kann nicht an Knochen und Gelenken zerren.

2. Beinlängendifferenzen ausgleichen

Unterschiedlich lange Beine sind laut Bozhiev selten ein anatomischer Defekt, sondern meist das Resultat eines verdrehten Beckens aufgrund asymmetrischer Muskelspannung (z. B. die rechte Seite zieht nach vorn, die linke nach hinten).

Der praktische Tipp zur Behebung:

• Am längeren Bein muss die Oberschenkelvorderseite (Quadrizeps) gedehnt werden.

• Am kürzeren Bein muss die Oberschenkelrückseite (ischiocrurale Muskulatur) gedehnt werden.

Durch dieses gezielte, asymmetrische Dehnen kann das Becken wieder in seine natürliche Position zurückkehren und die Beinlängendifferenz verschwindet.

3. Energetische und psychologische Arbeit

Körper und Geist sind untrennbar miteinander verbunden. Menschen sollten daher auch an ihrem Selbstbild arbeiten. Männer und Jungen mit nach innen gedrehten Füßen können durch den Aufbau von Selbstbewusstsein und die Stärkung ihrer „männlichen Energie“ dazu beitragen, ihre Körperhaltung auf natürliche Weise zu korrigieren. Ein starkes inneres Auftreten spiegelt sich in einer aufrechten, offenen Körperhaltung wider.

4. Der ganzheitliche Ansatz

Die wichtigste Lektion aus Bozhievs Vortrag ist der ganzheitliche Blick auf unseren Körper. Bei Problemen wie Hallux Valgus, Kniearthrose oder Krampfadern reicht es nicht aus, nur das Symptom am Fuß oder Bein zu behandeln. Salben, Einlagen oder lokale Operationen bekämpfen oft nur die Auswirkungen. Um das Problem dauerhaft zu lösen, muss immer die Ursache im Beckengürtel durch gezielte Dehnung und Haltungskorrektur behoben werden.

Fazit

Unser Becken ist weit mehr als nur eine knöcherne Verbindung zwischen Rumpf und Beinen. Es ist das mechanische und energetische Zentrum unseres Körpers. Indem wir lernen, auf die Signale unserer Muskeln zu hören – sei es durch einen einfachen Blick auf unsere Füße im Liegen oder durch die bewusste Wahrnehmung unserer Körperhaltung – können wir tiefgreifende Probleme an der Wurzel packen.

Gezieltes Dehnen, ein ganzheitlicher Ansatz und die Arbeit an unserem inneren Gleichgewicht sind die Schlüssel zu einem schmerzfreien und beweglichen Leben bis ins hohe Alter. Fangen Sie noch heute an: Legen Sie sich auf den Rücken, entspannen Sie sich und fragen Sie Ihre Füße, was Ihr Becken Ihnen sagen möchte.