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18. Juni 2026 · M. Wunder · MEINUNGSFREIHEIT

Der Cholesterin-Mythos: Warum Grenzwerte oft trügen und Statine nicht immer die Lösung sind

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.

Cholesterin ist ein Thema, das in der medizinischen Diskussion und im Alltag vieler Menschen eine zentrale Rolle spielt. Kaum ein anderer Laborwert wird so häufig gemessen, diskutiert und oft auch gefürchtet. Wenn der Arzt bei der jährlichen Routineuntersuchung einen erhöhten Cholesterinspiegel feststellt, ist die Verunsicherung groß. Oft folgt daraufhin schnell die Verschreibung von Statinen, den sogenannten Cholesterinsenkern. Doch ist dieser Automatismus wirklich immer gerechtfertigt? Ein aufschlussreiches Gespräch mit dem Experten Dr. med. Volker Schmiedel wirft ein kritisches Licht auf die gängige Praxis der Cholesterinbehandlung und fordert ein Umdenken.

In diesem Artikel beleuchten wir die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Interview mit Dr. Schmiedel und zeigen auf, warum eine differenziertere Betrachtung von Cholesterinwerten und eine individuelle Risikoeinschätzung unerlässlich sind.



Die Kritik an den immer strengeren Grenzwerten

Ein zentraler Kritikpunkt von Dr. Schmiedel richtet sich gegen die stetige Absenkung der Grenzwerte für Cholesterin, insbesondere für das LDL-Cholesterin (Low-Density Lipoprotein), das oft als das „schlechte“ Cholesterin bezeichnet wird. Im Laufe der Jahre wurden diese Werte immer weiter nach unten korrigiert. Die Folge: Immer mehr Menschen gelten plötzlich als „krank“ oder zumindest als behandlungsbedürftig, obwohl sie sich völlig gesund fühlen und keine Beschwerden haben.

Diese Entwicklung führt zu einer massenhaften Verschreibung von Statinen. Dr. Schmiedel argumentiert jedoch, dass die alleinige Betrachtung des Gesamtcholesterins oder auch nur des LDL-Wertes bei weitem nicht ausreicht, um das tatsächliche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall fundiert zu beurteilen. Ein isolierter Laborwert ist nur ein Puzzleteil in einem viel größeren Gesamtbild.

Der Ruf nach einer ganzheitlichen Risikobewertung

Anstatt sich stur auf einen einzigen Laborwert zu fixieren, fordert der Experte eine umfassende und ganzheitliche Risikobewertung für jeden einzelnen Patienten. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die alle in die ärztliche Entscheidung einfließen sollten. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem:

• Alter und Geschlecht: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko naturgemäß an, und auch das Geschlecht spielt eine Rolle.

• Lebensstilfaktoren: Rauchen ist einer der größten Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen. Auch Bewegungsmangel und Übergewicht tragen erheblich bei.

• Vorerkrankungen: Krankheiten wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Bluthochdruck (Hypertonie) schädigen die Gefäße und erhöhen das Risiko signifikant.

• Familiäre Vorbelastung: Wenn in der direkten Verwandtschaft (Eltern, Geschwister) bereits in jungen Jahren Herzinfarkte oder Schlaganfälle aufgetreten sind, deutet dies auf ein erhöhtes genetisches Risiko hin.

Um all diese Faktoren zu bündeln und objektiv zu bewerten, empfiehlt Dr. Schmiedel die Nutzung spezieller Risikorechner. Diese Tools können die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der ein Patient in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder ein ähnliches kardiovaskuläres Ereignis erleidet. Nur wenn dieses berechnete Risiko als hoch eingestuft wird (beispielsweise über 20 Prozent), hält er den Einsatz von Statinen für medizinisch sinnvoll und gerechtfertigt. Bei einem niedrigen oder moderaten Risiko überwiegen oft die potenziellen Nebenwirkungen der Medikamente den möglichen Nutzen.

Wie wirken Statine wirklich?

Statine sind zweifellos wirksame Medikamente und haben in der Sekundärprävention (also bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten) einen nachgewiesenen Nutzen. Doch wie genau entfalten sie ihre schützende Wirkung? Interessanterweise beruht dieser Nutzen laut Dr. Schmiedel weniger auf der reinen Senkung des Cholesterinspiegels im Blut.

Vielmehr spielen sogenannte pleiotrope Effekte eine entscheidende Rolle. Das bedeutet, dass Statine zusätzliche Eigenschaften besitzen, die unabhängig von der Cholesterinsenkung wirken. Dazu gehören vor allem entzündungshemmende Wirkungen und die Fähigkeit, bestehende Plaques (Ablagerungen in den Blutgefäßen) zu stabilisieren, sodass diese nicht so leicht aufreißen und einen Gefäßverschluss verursachen. Diese Erkenntnis unterstreicht, dass Cholesterin nicht der alleinige Übeltäter ist, sondern Entzündungsprozesse in den Gefäßen eine mindestens ebenso wichtige Rolle spielen.

Vorsicht vor vermeintlich „natürlichen“ Alternativen wie Rotschimmelreis

Viele Patienten, die Bedenken wegen der Nebenwirkungen von Statinen haben, suchen nach natürlichen Alternativen. Ein häufig beworbenes Mittel ist Roter Reis (Rotschimmelreis). Dieser wird oft als sanfte, pflanzliche Lösung zur Cholesterinsenkung angepriesen.

Dr. Schmiedel warnt jedoch eindringlich vor einem unkritischen Umgang mit diesen Präparaten. Der Wirkstoff im roten Reis, Monacolin K, ist chemisch identisch mit Lovastatin, dem allerersten Statin, das auf den Markt kam. Das bedeutet: Roter Reis ist im Grunde genommen ein natürliches Statin. Er hat folglich nicht nur die gleichen cholesterinsenkenden Wirkungen, sondern auch exakt die gleichen potenziellen Nebenwirkungen wie die verschreibungspflichtigen Medikamente. Eine unkontrollierte Einnahme, womöglich noch in Kombination mit anderen Medikamenten, kann daher gefährlich sein und sollte immer mit einem Arzt abgesprochen werden.

Nebenwirkungen von Statinen: Das Problem mit Coenzym Q10

Apropos Nebenwirkungen: Eine der häufigsten und belastendsten Nebenwirkungen von Statinen sind Muskelschmerzen und Muskelschwäche. Der Grund dafür liegt in der Wirkweise der Medikamente. Statine blockieren ein Enzym in der Leber, das für die Cholesterinproduktion zuständig ist. Leider ist genau dieses Enzym auch für die körpereigene Produktion von Coenzym Q10 verantwortlich.

Coenzym Q10 ist eine essenzielle Substanz für unsere Mitochondrien, die „Kraftwerke“ unserer Zellen. Es wird dringend für die Energieproduktion benötigt, insbesondere in den Muskelzellen, die viel Energie verbrauchen. Wenn durch die Einnahme von Statinen der Q10-Spiegel im Körper sinkt, kann dies zu den typischen Muskelbeschwerden führen. Dr. Schmiedel empfiehlt daher Patienten, die auf Statine angewiesen sind, dringend die zusätzliche Einnahme von Coenzym Q10 als Nahrungsergänzungsmittel, um diesen Mangel auszugleichen und Nebenwirkungen vorzubeugen.

Das „wirklich böse“ Cholesterin: sdLDL im Fokus

Ein besonders spannender und zentraler Punkt in den Ausführungen von Dr. Schmiedel ist die Differenzierung innerhalb des LDL-Cholesterins. Lange Zeit wurde das gesamte LDL pauschal als das „böse“ Cholesterin verteufelt. Die moderne Forschung zeigt jedoch ein viel nuancierteres Bild.

Nicht alle LDL-Partikel sind gleich. Es gibt große, fluffige LDL-Partikel, die relativ harmlos sind. Gefährlich sind hingegen die kleinen, dichten LDL-Partikel, die sogenannten sdLDL (small dense LDL). Diese kleinen Partikel können besonders leicht in die Gefäßwände eindringen, dort oxidieren und Entzündungsprozesse sowie die Bildung von Plaques (Arteriosklerose) vorantreiben.

Dr. Schmiedel fordert daher nachdrücklich, dass Ärzte bei der Diagnostik nicht nur das Gesamt-LDL bestimmen, sondern gezielt diesen spezifischen sdLDL-Wert messen sollten. Nur so lässt sich erkennen, ob tatsächlich ein gefährliches Profil vorliegt. Eine fundierte Entscheidung über eine Statin-Therapie sollte sich idealerweise auf diesen detaillierten Wert stützen und nicht auf einen pauschalen Gesamt-LDL-Wert, der möglicherweise in die Irre führt.

Die Rolle von Psyche, Stress und Genetik

Abschließend betont das Interview, dass der Cholesterinspiegel nicht nur durch unsere Ernährung bestimmt wird, wie oft fälschlicherweise angenommen wird. Die Genetik spielt eine weitaus größere Rolle bei der Regulation des Cholesterinstoffwechsels. Manche Menschen haben aufgrund ihrer genetischen Veranlagung von Natur aus höhere Werte.

Darüber hinaus darf der Einfluss der Psyche nicht unterschätzt werden. Chronischer Stress, Ängste und negative Emotionen haben messbare Auswirkungen auf unseren Körper. Sie können dazu führen, dass das „schlechte“ LDL-Cholesterin ansteigt und gleichzeitig das „gute“ HDL-Cholesterin (High-Density Lipoprotein), welches eine schützende Funktion hat, absinkt. Ein gesunder Lebensstil umfasst daher nicht nur die richtige Ernährung und ausreichend Bewegung, sondern auch ein effektives Stressmanagement und psychische Ausgeglichenheit.

Fazit: Für eine differenzierte Betrachtung

Das Interview mit Dr. med. Volker Schmiedel ist ein eindringliches Plädoyer für eine differenziertere und individuellere Betrachtung von Cholesterinwerten. Die sture Fixierung auf immer strengere Grenzwerte und die reflexartige Verschreibung von Statinen werden kritisch hinterfragt.

Stattdessen sollte der Fokus auf einer umfassenden Risikobewertung liegen, die alle relevanten Faktoren des Patienten einbezieht. Die Unterscheidung zwischen harmlosen und gefährlichen LDL-Partikeln (sdLDL) bietet eine viel präzisere diagnostische Möglichkeit. Zudem müssen potenzielle Nebenwirkungen von Medikamenten ernst genommen und durch Maßnahmen wie die Gabe von Coenzym Q10 abgemildert werden.

Cholesterin ist nicht per se der Feind. Es ist ein lebenswichtiger Baustein unseres Körpers. Es ist an der Zeit, den Mythos vom pauschal „bösen“ Cholesterin zu entzaubern und zu einer Medizin zurückzukehren, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt.

Dieser Artikel basiert auf den Aussagen von Dr. med. Volker Schmiedel in einem Interview und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen oder Bedenken konsultieren Sie bitte immer einen Arzt.