Kritischer Bericht zur Finanzierungsgerechtigkeit und Mittelverteilung im ASKÖ Leonding
Datum: 27. März 2026
Betrifft: Finanzielle Benachteiligung der Sektion Tischtennis und Forderungen nach einer transparenten Budgetverteilung. Adressaten: Vereinsvorstand des ASKÖ Leonding, Stadtgemeinde Leonding, Öffentlichkeit

1. Einleitung und Problemstellung
Der Hauptverein ASKÖ Leonding präsentiert sich als breite sportliche Basis der Stadt Leonding und umfasst laut offiziellen Angaben acht Sektionen sowie drei Zweigvereine. In den vergangenen Jahren profitierte der Gesamtverein massiv von öffentlichen Geldern. So wurde der ASKÖ Leonding in den letzten drei Jahren (2022 bis 2026) von der Stadtgemeinde Leonding mit jährlichen Zuschüssen in Höhe von ca. 115.000,00 Euro bedacht. Diese beträchtliche Summe an Steuergeldern erfordert eine transparente, faire und leistungsgerechte Verteilung innerhalb des Vereins.
Die aktuelle Realität zeichnet jedoch ein völlig anderes Bild. Die Sektion Tischtennis, die mit 35 aktiven Mitgliedern einen festen Bestandteil des Vereinslebens bildet, sieht sich mit einer drastischen und nicht nachvollziehbaren Kürzung der finanziellen Unterstützung durch den Hauptverein konfrontiert. Während die Sektion über ein Jahrzehnt hinweg eine jährliche Unterstützung von 1.000,00 Euro erhielt, wurde dieser Betrag für das Jahr 2025 durch den Obmann willkürlich auf 500,00 Euro halbiert. Für das Jahr 2026 steht sogar eine vollständige Streichung im Raum. Diese Entwicklung ist inakzeptabel und wirft grundlegende Fragen bezüglich der Vereinsführung, der Transparenz und der gerechten Behandlung aller Sektionen auf.
2. Finanzielle Analyse und strukturelle Diskrepanzen
Die Diskrepanz zwischen den immensen Einnahmen des Hauptvereins und der marginalen Unterstützung der Sektion Tischtennis ist eklatant. Die folgende Tabelle veranschaulicht die finanzielle Schieflage:
| Kennzahl / Bereich | Wert / Betrag | Anmerkung |
| Gemeindezuschuss Stadt Leonding | 115.000,00 €/Jahr | Durchschnitt der letzten 3 Jahre |
| Mitgliederzahl Gesamtverein | ca. 1.200 | Vom Hauptverein angegeben, jedoch stark anzuzweifeln |
| Mitglieder Sektion Tischtennis | 35 | Entspricht ca. 2,92 % der angegebenen Gesamtmitglieder |
| Unterstützung Tischtennis (bis 2024) | 1.000,00 €/Jahr | Entspricht 0,87 % des jährlichen Gemeindezuschusses |
| Unterstützung Tischtennis (2025) | 500,00 €/Jahr | Entspricht 0,43 % des jährlichen Gemeindezuschusses |
| Mitgliedsbeitrag Tischtennis | 85,00 €/Jahr | Vollständig von den Sektionsmitgliedern getragen |
2.1. Die fragwürdige Mitgliederstruktur
Der Hauptverein rechtfertigt seine Struktur und mutmaßlich auch die Mittelverteilung mit einer Gesamtzahl von angeblich 1.200 Mitgliedern. Diese Zahl muss hinterfragt werden. Selbst wenn man diese Zahl als gegeben annimmt, steht die Zuweisung der Mittel in keinem Verhältnis. Die Sektion Tischtennis macht mit ihren 35 Mitgliedern knapp 3 Prozent der Gesamtmitglieder aus, erhält aber für das Jahr 2025 lediglich 0,43 Prozent der von der Gemeinde ausgeschütteten Subventionen. Dies deutet auf eine massive Quersubventionierung hin, bei der kleinere Sektionen zugunsten größerer und kostenintensiverer Abteilungen – primär der Sektion Fußball – benachteiligt werden.
2.2. Bestrafung von wirtschaftlicher Eigenverantwortung
Die Sektion Tischtennis wird vorbildlich geführt. Die Mitglieder zahlen einen erheblichen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 85,00 Euro, um den laufenden Aufwand zu decken. Durch vorausschauendes Wirtschaften konnten sogar Rücklagen gebildet werden. Anstatt dieses verantwortungsvollen Handelns zu honorieren, nutzt der Hauptverein die finanzielle Stabilität der Sektion als Vorwand, um die ohnehin geringen Zuschüsse weiter zu kürzen. Es entsteht der fatale Eindruck: Wer gut wirtschaftet, wird bestraft; wer defizitär arbeitet, wird subventioniert. Es ist den Mitgliedern der Sektion Tischtennis nicht vermittelbar, dass sie mit ihren Beiträgen und ihrer Sparsamkeit finanziell den Kopf für andere Sektionen, insbesondere den Fußball, hinhalten müssen.
2.3. Investitionsstau und Vernachlässigung der Infrastruktur
Die finanzielle Aushungerung der Sektion hat direkte Auswirkungen auf die sportliche Infrastruktur. Die derzeit genutzten Tischtennistische sind bereits 40 Jahre alt. Eine zeitgemäße Sportausübung und die Förderung des Nachwuchses sind unter diesen Bedingungen massiv erschwert. Während öffentliche Gelder in Höhe von 115.000,00 Euro in den Verein fließen, wird der Sektion Tischtennis nicht einmal das absolute Minimum zugestanden, um ihre grundlegenden Sportgeräte zu erneuern.
3. Kritische Bewertung der Vereinsführung
Die Vorgehensweise des Vorstands offenbart schwerwiegende Defizite in der Vereinsführung:
1. Mangelnde Transparenz: Es existiert keine offengelegte, nachvollziehbare Formel, nach der die Gemeindezuschüsse auf die acht Sektionen verteilt werden. Die Entscheidungen scheinen willkürlich und ohne Einbindung der betroffenen Sektionsleitungen getroffen zu werden.
2. Verletzung des Solidaritätsprinzips: Ein Mehrspartenverein lebt von der Solidarität und der Gleichbehandlung seiner Untergliederungen. Die drastische Kürzung der Mittel für eine etablierte Sektion untergräbt dieses Prinzip fundamental.
3. Zweckentfremdung von Fördermitteln: Wenn die Stadt Leonding den ASKÖ mit 115.000,00 Euro unterstützt, geht sie davon aus, dass dieses Geld der gesamten Breite des Sports zugutekommt. Die faktische Nichtbeteiligung der Sektion Tischtennis an diesen Mitteln konterkariert den Förderzweck der Gemeinde.
4. Konkrete Forderungen
Um den Fortbestand der Sektion Tischtennis zu sichern und die Integrität des ASKÖ Leonding wiederherzustellen, werden folgende unmissverständliche Forderungen an den Vereinsvorstand und die zuschussgebende Gemeinde gestellt:
• Sofortige Rücknahme der Kürzungen: Die jährliche Unterstützung für die Sektion Tischtennis muss umgehend wieder auf mindestens 1.000,00 Euro angehoben werden. Eine vollständige Streichung ab 2026 ist kategorisch auszuschließen.
Fair ist es, die seit 2015 entstandene Inflation zu berücksichtigen – das entspricht aktuell etwa 1.350,00 €. Auch die Stadtgemeinde erhöhte die Zuschüsse in diesem Umfang.
• Transparente und gerechte Budgetverteilung: Der Hauptverein muss ein verbindliches, transparentes Modell zur Verteilung der Gemeindezuschüsse etablieren. Dieses Modell muss sich an objektiven Kriterien wie der tatsächlichen Mitgliederzahl, dem Eigenfinanzierungsgrad und dem Investitionsbedarf orientieren.
• Gleichbehandlung bei Mitgliedsbeiträgen: Es ist sicherzustellen, dass alle Sektionen eine angemessene Eigenfinanzierung leisten. Wenn die Mitglieder der Sektion Tischtennis 85,00 Euro pro Jahr entrichten, müssen vergleichbare finanzielle Anstrengungen auch von den Mitgliedern anderer stark subventionierter Sektionen eingefordert werden.
• Sonderbudget für Infrastruktur: Der Hauptverein muss unverzüglich Mittel aus den Gemeindezuschüssen freigeben, um die 40 Jahre alten Tischtennistische durch zeitgemäßes Equipment zu ersetzen.
• Offenlegung der Finanzen gegenüber der Gemeinde: Die Stadtgemeinde Leonding wird aufgefordert, die Vergabe ihrer Fördermittel in Höhe von 115.000,00 Euro an strengere Auflagen hinsichtlich der vereinsinternen Verteilungsgerechtigkeit und Transparenz zu knüpfen.
5. Fazit
Die Sektion Tischtennis des ASKÖ Leonding – bestehend seit 1951 – wehrt sich entschieden gegen die Rolle des finanziellen Ausfallbürgens für andere Vereinsbereiche. Die aktuelle Verteilungspolitik des Vorstands ist ungerecht, intransparent und gefährdet die sportliche Vielfalt im Verein. Eine sofortige Kurskorrektur hin zu einer fairen, regelbasierten Mittelverteilung ist unumgänglich, um das Vertrauen der Mitglieder zurückzugewinnen und dem Anspruch eines geförderten Breitensportvereins gerecht zu werden.
Der ehemalige Sektionsleiter Herbert Nowak († 2012) führte den Verein als Finanzleiter der ASKÖ Leonding über mehr als 20 Jahre hinweg vorbildlich. In der Folge ließ die Unterstützung jedoch zunehmend nach.
Referenzen
[1] ASKÖ Leonding. Sektionen und Zweigvereine. Abgerufen am 27. März 2026 von