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4. September 2025 · Manfred Wunder · FREIE MEINUNG

Grüne Reformen für Österreichs Gesundheitssystem

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.

Einleitung: Der Reformdruck steigt


Österreich verfügt über ein vergleichsweise gutes Gesundheitssystem. Die Lebenserwartung liegt hoch, und der Zugang zu medizinischer Versorgung ist weitgehend gesichert. Dennoch stehen wir vor massiven Herausforderungen: Die Bevölkerung altert, chronische Krankheiten nehmen zu, Fachkräfte fehlen, und die Kosten steigen rasant. Zudem ist das System zersplittert, unübersichtlich und reagiert häufig zu spät statt vorausschauend. Eine nachhaltige Sanierung ist dringend notwendig – nicht nur zur Kostenreduktion, sondern um die Versorgung langfristig sicherzustellen und die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern.


Moderne Gesundheitsversorgung und Nachhaltigkeit in einer urbanen, umweltfreundlichen Landschaft.
Moderne Gesundheitsversorgung und Umweltbewusstsein vereinen sich in einer nachhaltigen urbanen Landschaft.


1. Prävention stärken: Gesund bleiben statt nur krank behandeln


Derzeit fließen nur etwa 2-3 % der Gesundheitsausgaben in Prävention – der Großteil wird für die Behandlung von Krankheiten aufgewendet. Das ist ineffizient und teuer. Nachhaltige Gesundheitspolitik beginnt daher mit Gesundheitsförderung und Vorsorge.

Beispiel aus Österreich:
In Oberösterreich gibt es seit Jahren das Projekt „Gesunde Gemeinde„. Über 500 Gemeinden beteiligen sich daran, indem sie lokale Bewegungsangebote, gesunde Ernährung in Kindergärten und Aufklärungskampagnen organisieren. Studien zeigen, dass solche Programme das Gesundheitsbewusstsein steigern und langfristig Behandlungskosten senken können.

Ein weiterer Ansatz ist die Vorsorgeuntersuchung „Neu“, die seit 2005 eine strukturierte jährliche Untersuchung für Erwachsene vorsieht. Leider wird sie zu wenig in Anspruch genommen. Eine Modernisierung, etwa durch bessere digitale Terminvergabe oder finanzielle Anreize, wäre sinnvoll.


2. Digitale Transformation sinnvoll nutzen


Trotz der Einführung von ELGA, dem elektronischen Gesundheitsakt, läuft in vielen Ordinationen und Spitälern noch immer vieles auf Papier. Daten werden mehrfach erhoben, Befunde gehen verloren, und Patienten müssen unnötige Doppeluntersuchungen über sich ergehen lassen.

Gute Beispiele aus Österreich:
Der e-Impfpass hat sich in der Corona-Pandemie bewährt und könnte auf andere Präventionsbereiche wie Krebsvorsorge oder Mutter-Kind-Pass ausgeweitet werden. Auch die Plattform 1450 – telefonische Gesundheitsberatung – ist ein positives Beispiel für niederschwellige, digital unterstützte Beratung, die Spitalsambulanzen entlastet.

Langfristig braucht es ein echtes Digitalisierungskonzept für das Gesundheitswesen – mit Fokus auf Nutzerfreundlichkeit, Sicherheit und Interoperabilität zwischen Systemen.


3. Ambulantisierung: Spitäler entlasten, Patienten näher versorgen


Viele medizinische Leistungen könnten heute ambulant erbracht werden – doch das System fördert stationäre Aufnahmen, weil sie besser vergütet werden. Dabei sind Spitäler teuer und für viele Eingriffe nicht zwingend nötig.

Initiativen in Österreich:
Die schrittweise Einführung von Primärversorgungseinheiten (PVE) seit 2017 ist ein wichtiger Schritt. Diese Einrichtungen bieten multiprofessionelle Betreuung (Ärzte, Pflege, Sozialarbeit) unter einem Dach – wohnortnah, mit langen Öffnungszeiten. Mittlerweile gibt es über 40 solcher Zentren, etwa das PVE Favoriten in Wien oder das PVE Neunkirchen in Niederösterreich. Ziel sind über 100 Einheiten bis 2030.

Auch das Pilotprojekt „Integrierte Versorgung“ in der Steiermark bringt Hausärzte, Fachärzte und Spitäler an einen Tisch, um Patient*innen gemeinsam zu betreuen – ein zukunftsweisender Ansatz.


4. Pflege sichern: Der menschliche Faktor


Ein funktionierendes Gesundheitssystem braucht ausreichend motivierte, qualifizierte Pflegekräfte. In Österreich fehlen laut Studien bis 2030 bis zu 75.000 Pfleger*innen. Viele verlassen den Beruf wegen Überlastung, Schichtdienst oder mangelnder Anerkennung.

Aktuelle Maßnahmen:
Die Pflegereform 2022/23 bringt höhere Gehälter für Pflegelehrlinge, Ausbildungsprämien und Pflegelehre als neuen Ausbildungsweg. Doch die Maßnahmen greifen noch nicht flächendeckend. Wichtiger wäre eine strukturelle Reform: bessere Personalschlüssel, verlässliche Dienstpläne, Aufstiegsmöglichkeiten und Mitspracherecht im Alltag.

Beispiel:
Die Vinzenz-Gruppe (Träger von Spitälern in mehreren Bundesländern) testet flexible Arbeitszeitmodelle in der Pflege – z. B. Vier-Tage-Woche oder Job-Sharing – mit positiver Resonanz.


5. Finanzierung reformieren: weniger Komplexität, mehr Gerechtigkeit


Das österreichische System ist stark fragmentiert: Bund, Länder, Sozialversicherung und Trägerorganisationen teilen sich die Verantwortung – mit häufig widersprüchlichen Zuständigkeiten.

Lösungsansatz:
Eine Reform der Finanzierung und Organisation hin zu integrierten Gesundheitsregionen, in denen Versorgung aus einer Hand geplant und budgetiert wird, ist sinnvoll. Das Projekt „Gesundheitskasse Plus“ in Tirol testet eine engere Kooperation zwischen Gebietskrankenkasse und niedergelassenen Ärzten – mit dem Ziel, Ressourcen effizienter einzusetzen.

Transparenz in der Finanzierung ist ebenso wichtig wie Anreize für Qualität statt Quantität – etwa durch Bonuszahlungen für nachweislich wirksame Behandlungen.


6. Ländliche Versorgung absichern


Viele Gemeinden kämpfen mit Ärztemangel – besonders im Bereich Allgemeinmedizin. Junge Ärzt*innen zieht es eher in die Städte, die Niederlassung am Land gilt als unattraktiv.

Gute Praxisbeispiele:

  • Das Land Kärnten fördert mit bis zu 50.000 € Zuschuss die Eröffnung von Kassenordinationen in unterversorgten Regionen.
  • In Niederösterreich gibt es Pilotprojekte mit Gemeindepraxen, die von mehreren Ärzten im Team betrieben werden – unterstützt von Verwaltungskräften.

Auch telemedizinische Lösungen können helfen, Versorgungslücken zu schließen – etwa durch Videosprechstunden oder mobile Diagnostik.


7. Mental Health entstigmatisieren und integrieren


Psychische Erkrankungen nehmen zu, doch die Versorgung hinkt hinterher. Therapieplätze sind knapp, vor allem für Kassenpatienten – mit Wartezeiten bis zu sechs Monaten.

Erfolgreiche Maßnahmen in Österreich:
Das Projekt „fit4SCHOOL“ in der Steiermark bringt Psychologinnen direkt an Schulen. In Wien läuft seit 2023 ein Pilotprojekt, bei dem Kinder- und Jugendpsychologinnen kassenfinanziert arbeiten. Das sollte österreichweit ausgerollt werden.

Ziel muss sein, psychische Gesundheit gleichrangig mit körperlicher zu behandeln, sowohl in der Finanzierung als auch in der öffentlichen Wahrnehmung.


8. Medikamente und Heilmittel fair und transparent verteilen


Medikamente sind in Österreich zwar vergleichsweise gut verfügbar – aber die Kosten steigen stark. Gleichzeitig kommt es immer wieder zu Lieferengpässen, etwa bei Antibiotika oder Fiebersäften.

Reformbedarf:
Eine nationale Medikamentenreserve, mehr lokale Produktion und strategische Beschaffung durch öffentliche Stellen können Abhängigkeiten verringern. Zudem sollten Arzneimittel-Bewertungen (HTA) stärker in Preisverhandlungen einfließen – um fair und evidenzbasiert zu bezahlen.


9. Umwelt- und Klimaschutz im Gesundheitswesen


Gesundheitsversorgung ist auch ein Umweltfaktor: Spitäler brauchen viel Energie, Medikamente gelangen in Gewässer, Wegwerfprodukte erzeugen Müll.

Gute Beispiele in Österreich:

  • Das Klinikum Wiener Neustadt betreibt eine der modernsten Energiemanagementanlagen des Landes, mit Wärmerückgewinnung und PV-Anlage.
  • Die KAGES Steiermark ist EMAS-zertifiziert und spart jährlich mehrere Millionen Kilowattstunden ein.

Künftig sollte jede größere Gesundheitseinrichtung ein Nachhaltigkeitskonzept haben – inklusive Mobilitätsstrategie, Energieeffizienz und Recycling.


10. Patientenorientierung ernst nehmen


Patient*innen haben oft das Gefühl, durch ein undurchschaubares System zu irren. Lange Wartezeiten, Intransparenz über Leistungen und schlechte Kommunikation verschlechtern das Behandlungserlebnis.

Lösungsansätze:

  • Ausbau von Case Management bei chronischen Erkrankungen
  • Patientencoaches in PVE oder Spitälern, die helfen, Angebote zu verstehen
  • Digitale Patientenportale mit Überblick über Termine, Befunde und Kontakte

11. Gesundheitskompetenz fördern


Ein nachhaltiges System braucht auch informierte Bürger*innen. Viele Menschen wissen nicht, welche Angebote es gibt oder wie sie ihre Gesundheit selbst stärken können.

Beispiel:
Die Plattform „Gesundheit.gv.at“ ist eine wertvolle Informationsquelle, wird aber wenig genutzt. Hier wären Kampagnen, Schulprojekte und eine bessere Verankerung in der Erwachsenenbildung nötig.


12. Fazit: Nachhaltig heißt, ganzheitlich zu denken


Ein nachhaltiges Gesundheitssystem für Österreich muss:

  • präventiv statt reaktiv sein
  • digital unterstützt, aber menschlich geführt
  • dezentral, aber koordiniert organisiert
  • ökologisch und ökonomisch vernünftig
  • gerecht und inklusiv für alle Generationen

Viele gute Ansätze existieren bereits – doch sie müssen strukturell verankert und bundesweit ausgerollt werden. Nachhaltigkeit ist kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für ein funktionierendes System in der Zukunft.