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24. August 2026 · Manfred Wunder · FREIE MEINUNG

„Klimagesetz“. „Klimaneutral“. „Net Zero“.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.


Gerald Markel – Politblogger


Wenn Historiker in hundert Jahren analysieren werden, warum Europa wirtschaftlich an Bedeutung verlor, dann könnte eine Frage ganz oben stehen:

Und kommende Generationen könnten eine zweite Frage stellen:

Warum gab es dagegen so wenig Widerstand?



Zunächst die Fakten

Das Klima der Erde war niemals statisch.

Warmzeiten und Kaltzeiten gab es lange, bevor der erste Mensch Kohle verbrannte, ein Auto fuhr oder ein Flugzeug bestieg. Eiszeiten wechselten mit Warmzeiten, Gletscher wuchsen und verschwanden, Meeresspiegel stiegen und fielen.

Auch innerhalb der vergangenen Jahrtausende gab es erhebliche regionale Klimaschwankungen: die römische Warmphase, die Abkühlung der Völkerwanderungszeit, die mittelalterliche Warmzeit und schließlich die Kleine Eiszeit.

Seit dem 19. Jahrhundert hat sich die Erde deutlich erwärmt.

Und ja: Der heutige wissenschaftliche Konsens lautet, dass Treibhausgasemissionen des Menschen den überwiegenden Teil der jüngsten globalen Erwärmung verursacht haben.

Man muss diesen Befund nicht bestreiten, um die entscheidende politische Frage zu stellen:

Was folgt daraus für Europa?

Denn zwischen

„CO₂ erwärmt das Klima.“

und

„Europa muss um praktisch jeden Preis Netto-Null erreichen.“

liegt ein gewaltiger argumentativer Abgrund.

Genau über diesen Abgrund wird viel zu selten gesprochen.

Aus Wissenschaft wurde politische Heilslehre.

Meine Kritik richtet sich deshalb nicht gegen Klimaforschung.

Sie richtet sich gegen die politische Ideologie, die daraus entstanden ist.

Aus einem realen naturwissenschaftlichen Problem wurde ein moralisches Glaubenssystem.

Es besitzt inzwischen fast alle Bestandteile einer Ersatzreligion:

die Erbsünde des CO₂-Ausstoßes.

Die Apokalypse in Form der Klimakatastrophe.

Die Sünder in Form von Autofahrern, Flugreisenden, Fleischessern und Besitzern fossiler Heizungen.

Die Priesterkaste aus Aktivisten, NGOs, Beratern, Funktionären und Politikern.

Und schließlich den Ablasshandel:

Zahle – und dein CO₂-Gewissen ist wieder rein.

CO₂-Zertifikate. Kompensationen. Förderprogramme. Subventionen. Verbote. Abgaben. Steuern.

Ein gigantischer politisch-industrieller Komplex ist entstanden.

Und jeder Bestandteil dieses Systems hat ein fundamentales Interesse daran, dass eines niemals geschieht:

dass die Sinnhaftigkeit des Systems grundsätzlich hinterfragt wird.

Die eigentliche Frage lautet: Was bekommen wir für unser Geld?

Weltweit fließen inzwischen gewaltige Summen in Klimaschutz, Energiewende, Elektromobilität, Netze, erneuerbare Energien, Gebäudesanierung und andere Maßnahmen.

Über die genaue Gesamtsumme kann man streiten, weil schon die Definition von „Klimainvestition“ höchst unterschiedlich ausfällt.

Aber genau deshalb ist eine andere Frage viel wichtiger:

Was ist der messbare Nutzen jedes zusätzlich eingesetzten Euros?

Wie viele Zehntel- oder Hundertstelgrade werden dadurch tatsächlich vermieden?

Zu welchem Preis?

Welche Alternative hätte denselben Betrag effizienter eingesetzt?

Und welche wirtschaftlichen Schäden entstehen gleichzeitig durch höhere Energiepreise, Regulierung, Produktionsverlagerung und sinkende Wettbewerbsfähigkeit?

Das müsste im Zentrum jeder seriösen Klimapolitik stehen.

Stattdessen scheint die politische Logik häufig zu lauten:

Wenn eine Maßnahme nicht genügend Wirkung zeigt, braucht es nicht weniger davon –

sondern mehr Geld, mehr Regulierung und noch ambitioniertere Ziele.

Das ist keine rationale Kosten-Nutzen-Analyse mehr.

Das ist Glaubenslogik.

Europa will „klimaneutral“ werden.

Die EU hat sich gesetzlich verpflichtet, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.

Das bedeutet nicht, dass Europa dann kein Klima mehr hätte – auch wenn manche politische Kommunikation beinahe so klingt.

„Net Zero“ bedeutet, dass verbleibende Treibhausgasemissionen durch entsprechende Senken ausgeglichen werden sollen.

Doch die entscheidende Frage lautet auch hier nicht, ob das technisch definierbar ist.

Die entscheidende Frage lautet:

Zu welchem Preis?

Was geschieht mit einer Volkswirtschaft, wenn Energie dauerhaft teurer wird als bei ihren wichtigsten Konkurrenten?

Was geschieht mit Chemie, Stahl, Maschinenbau, Automobilindustrie und anderen energieintensiven Branchen?

Was bringt es dem Weltklima, wenn europäische Produktion verschwindet und anschließend aus Ländern importiert wird, die mit Kohle, Gas oder niedrigeren Umweltstandards produzieren?

Und was geschieht gesellschaftlich, wenn Bürger immer höhere Kosten tragen sollen, während ihnen gleichzeitig erklärt wird, das bisher Erreichte sei erst der Anfang?

Anpassung statt Größenwahn

Selbst eine erfolgreiche internationale Emissionsreduktion wird natürliche Klimaschwankungen nicht abschaffen.

Deshalb brauchen wir etwas, das in der politischen Debatte viel stärker in den Mittelpunkt gehört:

Anpassung.

Klimaanlagen in Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Wasserspeicher.

Hochwasserschutz.

Waldmanagement.

Bewässerungssysteme.

Hitzeschutz in Städten.

Katastrophenschutz.

Neue Pflanzensorten.

Robustere Stromnetze.

Bessere Infrastruktur.

Forschung und Technologie.

Das sind Investitionen, deren Nutzen unmittelbar sichtbar und messbar sein kann.

Wenn Sommer heißer werden, brauchen wir Kühlung.

Wenn Starkregen zunimmt, brauchen wir Rückhaltebecken und Hochwasserschutz.

Wenn bestimmte Regionen trockener werden, brauchen wir besseres Wassermanagement.

Eine wohlhabende, technologisch hochentwickelte Gesellschaft kann sich an Veränderungen anpassen.

Dafür braucht sie allerdings eines ganz besonders:

Wohlstand.

Genau diesen Wohlstand dürfen wir nicht zerstören.

Hier liegt für mich der fundamentale Denkfehler der europäischen Klimapolitik.

Wir behandeln wirtschaftliche Leistungsfähigkeit teilweise so, als wäre sie ein lästiges Nebenprodukt, das man zugunsten höherer moralischer Ziele opfern könne.

Dabei ist sie die Voraussetzung für nahezu alles, was wir erreichen wollen.

Ein reiches Land kann Hochwasserschutz bauen.

Ein reiches Land kann Forschung finanzieren.

Ein reiches Land kann neue Kernkraft-, Speicher-, Netz- oder andere Energietechnologien entwickeln.

Ein reiches Land kann seine Krankenhäuser klimatisieren.

Ein reiches Land kann Menschen nach Naturkatastrophen helfen.

Ein armes Land kann all das wesentlich schlechter.

Wohlstand ist keine Bedrohung für unsere Widerstandsfähigkeit gegen Klimaveränderungen. Wohlstand ist ihre Voraussetzung.

Europa muss wieder rechnen lernen.

Klimapolitik darf kein Glaubensbekenntnis sein.

Jede einzelne Maßnahme müsste dieselben Fragen beantworten müssen wie jede andere große staatliche Investition:

Was kostet sie?

Was bringt sie?

Wie groß ist die tatsächliche globale Emissionsreduktion?

Welche Auswirkungen hat sie auf Wachstum, Industrie und Arbeitsplätze?

Gibt es eine billigere Alternative?

Und wäre das Geld möglicherweise in Anpassung, Forschung oder Infrastruktur besser investiert?

Wenn eine Maßnahme diese Prüfung nicht besteht, gehört sie gestrichen.

Egal, wie moralisch überlegen ihre Befürworter auftreten.

Das Klima braucht keine Religion.

Es braucht Wissenschaft.

Es braucht Technologie.

Es braucht Anpassung.

Es braucht Innovation.

Und vor allem braucht es eine Politik, die endlich wieder zwischen einem naturwissenschaftlichen Befund und einer politischen Ideologie unterscheiden kann.

Europa kann seinen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen leisten.

Aber Europa sollte nicht seine industrielle Basis, seinen Wohlstand und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit auf dem Altar eines politischen Reinheitsgebots opfern.

Denn möglicherweise werden Historiker in hundert Jahren tatsächlich auf unsere Epoche zurückblicken.

Vielleicht werden sie dann nicht fragen:

„Warum haben die Europäer das Klima nicht gerettet?“

Sondern:

„Wie konnten sie glauben, sie müssten zuerst ihren eigenen Wohlstand gefährden, um die Welt zu retten?“

Und vielleicht wird die unangenehmste Frage von allen lauten:

Warum hat kaum jemand rechtzeitig widersprochen?


Gerald Markel
Gerald Markel