Mit Dankbarkeit & Liebe zu mehr Lebensfreude – nach Vera F. Birkenbihl
Fühlen Sie sich manchmal von negativen Emotionen wie Angst, Wut oder sogar Hass überwältigt? Wünschen Sie sich einen Weg, diese Gefühle nicht nur zu unterdrücken, sondern sie an der Wurzel zu packen und aufzulösen? Die renommierte Managementtrainerin Vera F. Birkenbihl bietet in einem ihrer inspirierenden Vorträge eine verblüffend einfache und doch tiefgreifende Methode an, um genau das zu erreichen. Ihr Ansatz basiert auf der Erkenntnis, dass wir die Welt um uns herum verändern können, indem wir unsere eigene innere Haltung und unsere Reaktionen ändern.
In diesem Artikel tauchen wir tief in die Weisheit von Vera F. Birkenbihl ein. Wir werden ihre Kernthesen beleuchten, die durch anschauliche Beispiele aus ihrem eigenen Leben untermauert werden. Ziel ist es, Ihnen eine praktische Anleitung an die Hand zu geben, wie Sie negative Gefühle in positive Energie umwandeln und so zu mehr innerem Frieden, Freude und Liebe finden können.

Der wahre Gegner der Liebe: nicht Hass, sondern Angst
Eine der zentralen und überraschendsten Thesen von Vera F. Birkenbihl ist, dass der wahre Gegensatz von Liebe nicht der Hass ist. Vielmehr ist es die Furcht oder Angst. Auf den ersten Blick mag diese Aussage kontraintuitiv erscheinen. Sind Liebe und Hass nicht die ultimativen Gegenspieler? Vera Birkenbihl argumentiert jedoch, dass Hass oft nur eine sekundäre Emotion ist – eine Reaktion auf eine tiefere, zugrunde liegende Angst.
Um diese Idee zu veranschaulichen, zieht sie ein kraftvolles biblisches Zitat heran: „Die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“ Dieses Zitat aus dem ersten Johannesbrief (1 Joh 4,18) ist für sie der Schlüssel zum Verständnis der Dynamik zwischen diesen Emotionen. Sie verwendet auch die Metapher von Licht und Dunkelheit. Die Liebe ist wie das Licht. Wenn das Licht angeht, verschwindet die Dunkelheit automatisch. Man muss die Dunkelheit nicht bekämpfen oder vertreiben; sie weicht dem Licht von selbst. Genauso verhält es sich mit der Liebe und der Angst. Wo wahrhaftige, bedingungslose Liebe ist, kann die Angst nicht bestehen bleiben.
Diese Perspektive hat weitreichende Implikationen. Wenn wir etwas oder jemanden hassen, so Birkenbihls Schlussfolgerung, dann liegt diesem Hass oft eine unbewusste Angst zugrunde. Wir hassen das, was wir nicht verstehen, das, was uns bedrohlich erscheint, oder das, was uns in irgendeiner Weise verunsichert. Der Hass ist in diesem Sinne ein Schutzmechanismus, eine Rüstung, die wir anlegen, um uns vor dem zu schützen, was wir fürchten.
Von der Spinnenhasserin zur Spinnenkennerin: ein Beispiel aus dem Leben
Um ihre These zu untermauern, erzählt Vera F. Birkenbihl eine sehr persönliche und eindrückliche Geschichte: ihre eigene, extreme Spinnenphobie. Sie bezeichnete sich selbst als „professionelle Spinnenhasserin“. Ihre Angst und ihr Ekel waren so groß, dass sie in Panik geriet, sobald sie eine Spinne sah. Der Hass war die direkte Folge dieser tiefen, irrationalen Angst.
Das Schicksal wollte es, dass sie für eine Zeit in die Mojave-Wüste in den USA zog – einen Ort, an dem Spinnen allgegenwärtig sind. Sie stand vor einer Wahl: Entweder sie würde weiterhin in ständiger Angst und Panik leben, oder sie würde sich ihrer Furcht stellen. Sie wählte den zweiten Weg. Sie begann, sich intensiv mit den Spinnen in ihrer Umgebung zu beschäftigen. Sie kaufte Bücher, lernte, die verschiedenen Arten zu unterscheiden, und fand heraus, welche davon wirklich gefährlich waren (in ihrem Fall nur die Schwarze Witwe) und welche völlig harmlos.
Durch dieses Wissen veränderte sich alles. Die anonyme, bedrohliche Masse der „Spinnen“ löste sich auf in einzelne, identifizierbare Lebewesen. Sie lernte, eine harmlose Wolfsspinne von einer gefährlichen Schwarzen Witwe zu unterscheiden. Die Angst wich einem Verständnis und einer gewissen Faszination. Und mit der Angst verschwand auch der Hass. Sie hatte ihre innere Reaktion verändert, und dadurch veränderte sich ihre Wahrnehmung der Welt um sie herum. Die Spinnen waren immer noch da, aber sie waren keine Bedrohung mehr.
Dieses Beispiel illustriert perfekt ihre Kernthese: Indem sie ihre Angst durch Wissen und Verständnis ersetzte, löste sie den darauf basierenden Hass auf. Sie hatte das Licht des Wissens in die Dunkelheit ihrer Angst gebracht.
Angst ohne Hass: der Fall der Hunde
Um den Unterschied zwischen angstbasiertem Hass und reiner Angst weiter zu verdeutlichen, erzählt Birkenbihl von einer anderen Furcht, die sie seit ihrer Kindheit begleitet: der Angst vor Hunden. Diese Angst rührt von einem traumatischen Erlebnis her, bei dem sie als kleines Kind von einem Hund angefallen wurde. Im Gegensatz zu den Spinnen hat sie Hunde jedoch nie gehasst. Sie empfand nie eine generelle Abneigung oder Feindseligkeit gegenüber Hunden.
Dieser Unterschied ist entscheidend. Da ihre Angst vor Hunden nicht mit Hass vermischt ist, ist sie für sie leichter zu handhaben. Sie kann einem Hund aus dem Weg gehen, ohne in Panik oder Wut zu verfallen. Die Emotion ist reiner, weniger komplex und daher weniger belastend. Dies zeigt, dass Angst allein zwar unangenehm ist, aber erst die Verbindung mit Hass sie zu einer wirklich destruktiven und lähmenden Kraft macht.
Die praktische Lösung: Dankbarkeit als kleiner Bruder der Liebe
Nachdem sie die theoretische Grundlage gelegt und mit Beispielen untermauert hat, stellt Vera F. Birkenbihl eine konkrete, praktische Methode vor, um negative Gefühle aufzulösen: die Praxis der Dankbarkeit. Sie bezeichnet die Dankbarkeit liebevoll als den „kleinen Bruder der bedingungslosen Liebe“.
Warum Dankbarkeit? Weil es oft schwierig ist, aus einem Zustand der Angst oder Wut heraus direkt in die bedingungslose Liebe zu springen. Das wäre ein zu großer Sprung. Dankbarkeit ist jedoch ein Gefühl, das für die meisten von uns leichter zugänglich ist. Es ist eine positive, herzöffnende Emotion, die uns aus dem negativen Gedankenkarussell herausholen kann.
Die Übung, die sie vorschlägt, ist einfach, aber wirkungsvoll:
1. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, in dem Sie ungestört sind.
2. Konzentrieren Sie sich auf Dinge, für die Sie in Ihrem Leben dankbar sind. Das können große Dinge sein, wie Ihre Gesundheit, Ihre Familie oder Ihre Freunde. Es können aber auch ganz kleine, alltägliche Dinge sein: eine Tasse warmer Tee, ein Sonnenstrahl, ein freundliches Lächeln, das Ihnen geschenkt wurde.
3. Fühlen Sie die Dankbarkeit in Ihrem Körper. Versuchen Sie, das Gefühl nicht nur zu denken, sondern es wirklich zu spüren. Wo im Körper manifestiert es sich? Vielleicht als Wärme in der Brust, als ein Lächeln auf den Lippen oder als ein Gefühl der Entspannung.
Indem Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf das Positive lenken, für das Sie dankbar sein können, verändern Sie Ihre innere Energie. Sie schalten quasi von einem negativen auf einen positiven Kanal um. Dieser Fokus auf Dankbarkeit schafft einen inneren Zustand des Friedens und der Fülle. Aus diesem Zustand heraus ist es viel schwieriger, an negativen Gefühlen wie Angst oder Groll festzuhalten.
Fazit: Die Macht liegt in Ihnen.
Die Botschaft von Vera F. Birkenbihl ist ebenso einfach wie ermächtigend: Sie sind nicht das Opfer Ihrer Gefühle. Sie haben die Macht, Ihre innere Welt zu gestalten und dadurch auch Ihre äußere Realität zu verändern. Der Schlüssel liegt darin, zu erkennen, dass Angst die Wurzel vieler negativer Emotionen ist und dass Liebe – oder ihr kleiner Bruder, die Dankbarkeit – das wirksamste Gegenmittel ist.
Beginnen Sie noch heute damit, die Dankbarkeitsübung in Ihren Alltag zu integrieren. Führen Sie vielleicht ein Dankbarkeitstagebuch, in das Sie jeden Abend drei Dinge schreiben, für die Sie an diesem Tag dankbar waren. Sie werden erstaunt sein, wie diese einfache Praxis Ihre Perspektive verändert, Ihnen hilft, inneren Frieden zu finden, und mehr Freude und Liebe in Ihr Leben lässt. Denn wie Vera F. Birkenbihl so treffend sagt: „Wenn Sie das Licht der Dankbarkeit und Liebe in sich entzünden, hat die Dunkelheit der Angst keine Chance mehr.“