SV Wimberger Sandl macht Geschichte: Damen steigen nach Krimi in 1. TT-BL auf

Wenn man an die beschauliche Gemeinde Sandl im oberösterreichischen Mühlviertel denkt, kommen einem vermutlich zuerst die idyllischen Wälder, das historische Hinterglasmuseum oder der Viehberg mit seinem Skilift in den Sinn. Doch seit dem Wochenende vom 18. und 19. April 2026 hat das 1.405-Einwohner-Dorf einen weiteren, sportlichen Grund zum Feiern: Die Damenmannschaft des SV Wimberger Sandl krönte sich in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Saisonfinale zur Meisterin der 2. Tischtennis-Bundesliga und sicherte sich damit den Aufstieg in das untere Play-off der 1. Bundesliga.


Frauenmannschaft beim Tischtennis in Leonding, sportliche Spielerinnen im Team.


Sandl: Ein Ort mit Geschichte und Naturverbundenheit


Eingebettet in den Freiwald auf 927 Metern Seehöhe, bietet Sandl eine reiche Historie, die bis in die Zeit der wilden Rodungen ab 1376 zurückreicht. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort um 1615, als er lediglich aus drei Häusern bestand. Über die Jahrhunderte entwickelte sich Sandl zu einem bedeutenden Zentrum der Hinterglasmalerei, einer Kunstform, die ab 1770 das wirtschaftliche Leben prägte und heute noch im örtlichen Hinterglasmuseum bewundert werden kann.

Heute präsentiert sich die Gemeinde im Bezirk Freistadt als attraktiver Wohn- und Erholungsort. Mit einer Fläche von über 58 Quadratkilometern, von denen beinahe drei Viertel bewaldet sind, lädt Sandl Naturliebhaber zum Wandern auf dem Feuerwehr-Erlebniswanderweg oder zum Wintersport auf den Langlaufloipen und dem Viehberg ein. Doch es ist nicht nur die Natur, die die Gemeinde auszeichnet, sondern auch das starke Vereinsleben, das nun sportliche Geschichte geschrieben hat.


Der SV Wimberger Sandl: Von der Gründung bis zur Bundesliga


Die Sektion Tischtennis des SV Wimberger Sandl wurde im Jahr 1983 gegründet. Was damals als ambitioniertes Projekt begann, hat sich über die Jahrzehnte zu einem sportlichen Aushängeschild der Region entwickelt. Besonders die Damenmannschaft hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Bereits 2022 überraschte das Team mit dem Gewinn der Landesmeisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Unter der Leitung von Trainer Tobias Brandstetter etablierte sich die Mannschaft schnell in der zweithöchsten Spielklasse. Die Saison 2025/26 verlief für den SV Sandl überaus erfolgreich. Die Mannschaft sicherte sich nicht nur den Herbstmeistertitel, sondern feierte im Januar auch einen „Triple-Triumph“ mit drei Siegen in Folge.

Meilensteine der Tischtennis-Damen des SV Sandl
1983 Gründung der Sektion Tischtennis
2022 Gewinn der Landesmeisterschaft und Aufstieg in die 2. Bundesliga
2025 Herbstmeister in der 2. Bundesliga
2026 Meister der 2. Bundesliga und Aufstieg in die 1. Bundesliga


Ein Herzschlagfinale in Kirchbichl


Die abschließende Sammelrunde der Damen-Bundesliga am 18. und 19. April 2026 in Kirchbichl entwickelte sich zu einem Meisterschaftsfinale, das an Spannung kaum zu überbieten war. Die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag war klar: Der SV Sandl benötigte nur noch einen einzigen Einzelsieg, um sich den Titel in der 2. Bundesliga zu sichern.

Die Mannschaft, angeführt von der Ranglistendritten Hanna Vater (29:8 Erfolge) und der starken Melanie Riepl (22:6 Erfolge), hatte sich zuvor mit Kantersiegen gegen den Absteiger Bruck II (6:0) und Oberpullendorf (5:1) in eine exzellente Position gebracht. Doch der entscheidende Sonntag begann mit einem Schockmoment. Gegen den USV Indigo Graz 2 geriet Sandl rasch mit 0:4 in Rückstand. Die Begegnung war damit praktisch entschieden und nicht mehr zu gewinnen.

Parallel dazu ließ der direkte Konkurrent um den Titel nichts anbrennen: Der TTC Raiba Kirchbichl 2 feierte einen klaren 6:0-Erfolg gegen die SG Altenmarkt/Guntramsdorf II und erhöhte den Druck auf Sandl massiv. In dieser scheinbar aussichtslosen Situation kam es zum entscheidenden Moment des Wochenendes.

„Wir waren schon 2022 überrascht, dass wir Landesmeister werden konnten, stiegen dann in die 2. Bundesliga auf und nun dürfen wir über den Titel jubeln – einfach sensationell.“

— Hannas Vater, Spieler des SV Sandl

Melanie Riepl trat an die Platte und bewies Nerven aus Stahl. Sie holte genau jenen einen Sieg, den Sandl noch dringend benötigte. Trotz der späteren 1:5-Niederlage im Mannschaftsspiel gegen Graz war dieses gewonnene Einzel ausschlaggebend. Am Ende entschied tatsächlich ein einziges Spiel über den Meistertitel.

Endstand an der Tabellenspitze (Spiele)
SV Sandl: 79:43
Kirchbichl 2: 80:45

Mit minimalstem Vorsprung krönte sich der SV Sandl zum Meister der 2. Bundesliga und sicherte sich den Aufstieg in das untere Play-off der 1. Damen-Bundesliga. Kirchbichl II scheiterte zudem im direkten Duell gegen Sandl mit 2:4, was den Erfolg der Mühlviertlerinnen weiter unterstreicht.


Feierlichkeiten und ein Blick in die Zukunft


Die Rückkehr nach Sandl glich einem Triumphzug. Mit Trompeten wurden die Meister-Ladies im 1.405-Seelen-Dorf empfangen. Nach der letzten Sammelrunde wurden die Heldinnen im Bezirk Freistadt mit einem kurzfristig inszenierten „Mini-Kirtag“ gefeiert. Auf die Frage, wie der Sensations-Titel gefeiert wird, verriet Hannas Vater augenzwinkernd: „Wir sind Freundinnen, machen auch gemeinsam Urlaub. Wahrscheinlich werden wir zum Ballermann nach Mallorca düsen.“

Für die kommende Saison in der 1. Bundesliga wird Trainer Tobias Brandstetter weitgehend auf den bewährten Kader vertrauen können. Ein Wermutstropfen trübt jedoch die Vorfreude: Die Riepl-Schwestern Melanie und Lisa werden dem Team aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen. Ihre Leistungen, insbesondere Melanie Riepls entscheidender Sieg im Finale, werden jedoch untrennbar mit diesem historischen Erfolg verbunden bleiben.

Der Ort Sandl hat einmal mehr bewiesen, dass mit Leidenschaft, Teamgeist und Nervenstärke auch in kleinen Gemeinden Großes erreicht werden kann. Der gesamte OÖTTV und die Region gratulieren dem SV Sandl herzlichst zum Aufstieg in die 1. Damen-Bundesliga.


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