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29. Mai 2026 · M. Wunder · BLOGS - GESUNDHEIT & MEINUNG

Wenn selbst die einfachen Dinge nicht mehr funktionieren: Was in Österreich schiefläuft

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.

Ein Blogbeitrag auf Basis eines Erfahrungsberichts von Gerald Markel


Es gibt Momente, in denen ein einzelnes Alltagserlebnis mehr über den Zustand eines Landes erzählt als jede politische Sonntagsrede. Nicht, weil eine private Anekdote eine umfassende Statistik ersetzen könnte. Sondern weil sie sichtbar macht, was viele Menschen längst spüren: In Österreich wird das Einfache zunehmend kompliziert, das Persönliche wird durch Prozesse ersetzt, und Verantwortung verschwindet hinter Zuständigkeiten, Formularen und digitalen Warteschleifen.

Gerald Markel beschreibt in seinem Text eine solche Erfahrung. Ein Unternehmer hat ein dringendes, aber im Grunde überschaubares Problem mit seinem Firmenkonto. Die App hilft nicht weiter. Der telefonische Helpdesk verweist an einen Kundenbetreuer. Einen persönlichen Kundenbetreuer gibt es aber nicht mehr, sondern nur noch Teams. Also soll man eine E-Mail schreiben oder über die App kommunizieren. Zwölf Stunden später: keine Reaktion. Noch ein Anruf, wieder freundliche Menschen, wieder keine Lösung.

Der Kern der Geschichte ist nicht, dass eine Bank einmal langsam reagiert. Der Kern ist, dass ein System entstanden ist, in dem niemand mehr unmittelbar zuständig ist, obwohl die zuständigen Menschen räumlich nur wenige Meter entfernt sitzen.


Erfahrener Tischtennisspieler bei Leonding vor Weihnachtsdeko.


Das eigentliche Problem: Prozesse ersetzen Verantwortung.

Markels Beispiel spielt zunächst in Wien. Der Unternehmer geht persönlich in die ehemalige Zentrale der Bank. Dort, in einem repräsentativen Gebäude, sitzen Businesskundenspezialisten. Er erklärt am Eingang sein Anliegen und bittet darum, ob jemand kurz Zeit habe. Die Antwort des Mitarbeiters ist bezeichnend: Er schreibt eine E-Mail an die Kolleginnen und Kollegen, die sichtbar im selben Gebäude sitzen.

Dieser Moment ist so absurd, dass er fast komisch wirkt. Aber gerade deshalb ist er aufschlussreich. Wo früher ein kurzer Anruf, ein Gang über die Stiege oder ein direktes Gespräch genügt hätte, tritt heute ein interner Kommunikationsprozess an die Stelle menschlichen Hausverstands. Der Mitarbeiter ist freundlich, aber machtlos. Er folgt offenbar dem vorgesehenen Ablauf. Und genau darin liegt das Problem.


Beobachtung aus dem ErfahrungsberichtWas sie über das System zeigt
Die App liefert keine brauchbare Antwort.Digitalisierung ersetzt Service, ohne Servicequalität sicherzustellen.
Das Helpdesk verweist weiter, kann aber nicht verbinden.Zuständigkeiten werden formal verteilt, aber praktisch nicht gelöst.
Persönliche Kundenbetreuer werden durch Teams ersetzt.Beziehung und Verantwortung werden anonymisiert.
Ein Mitarbeiter schreibt eine E-Mail an Kolleginnen und Kollegen im selben Gebäude.Prozesse dominieren über Hausverstand und direkte Problemlösung.
Der Kunde verlässt die Bank ohne Lösung.Die Organisation schützt ihre Abläufe besser als die Interessen des Kunden.


Das ist kein reines Bankenproblem. Viele Österreicherinnen und Österreicher erleben Ähnliches bei Behörden, Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen, Energieversorgern, Plattformen, Servicehotlines und großen Konzernen. Die Sprache ist überall ähnlich: „Bitte wenden Sie sich an“, „Bitte nutzen Sie das Portal“, „Bitte schreiben Sie eine Nachricht“, „Bitte haben Sie Verständnis“. Doch am Ende bleibt der Bürger, Kunde oder Unternehmer mit seinem Problem allein.

Freundlichkeit ist kein Ersatz für Lösungskompetenz.

Auffällig ist, dass Markel die Mitarbeiter nicht als unfreundlich beschreibt. Im Gegenteil: Die Helpdesk-Leute sind „extrem freundlich“, der junge Mann im Gebäude ebenfalls. Das macht die Sache sogar noch problematischer. Denn es zeigt, dass nicht unbedingt die einzelnen Menschen versagen, sondern die Strukturen, in denen sie arbeiten.

Ein funktionierendes System erkennt man nicht daran, dass alle höflich bleiben, während nichts weitergeht. Man erkennt es daran, dass ein konkretes Problem rasch an eine konkrete Person gelangt, die es lösen darf und lösen kann. Wenn Mitarbeiter nur noch Nachrichten aufnehmen, Tickets erstellen oder interne E-Mails schreiben dürfen, entsteht ein Service-Theater: nach außen bemüht, nach innen blockiert.

Österreich hat nicht zu wenige freundliche Menschen. Österreich hat zu viele Abläufe, in denen freundliche Menschen daran gehindert werden, einfache Dinge einfach zu erledigen.

Der Kontrast: Kroatien zeigt, dass es auch anders geht

Der zweite Teil des Erfahrungsberichts führt nach Istrien, nach Umag. Dort hat das Unternehmen ebenfalls ein Konto. Der Geschäftsführer hat ein neues Firmenhandy und schafft es nicht, die alte Banking-App zu aktivieren. Er geht in die Bankfiliale. Bemerkenswert ist bereits ein Detail: Die Filiale hat an diesem Tag bis 19 Uhr geöffnet, damit Menschen nach der Arbeit noch persönliche Bankgeschäfte erledigen können.

In der Filiale ist gerade wenig los. Eine Mitarbeiterin fragt, ob sie helfen könne. Sie hört sich das Problem an, bittet den Kunden, Platz zu nehmen, geht das Prozedere gemeinsam mit ihm durch, besorgt den Aktivierungscode und erklärt, wie es beim nächsten Mal einfacher funktioniert. Nach fünf Minuten ist das Problem gelöst.

Dieser Kontrast ist der eigentliche Schlag ins Gesicht für Österreich. Denn hier geht es nicht um Hochtechnologie, Milliardeninvestitionen oder einen weltpolitischen Strukturwandel. Es geht um eine einfache Frage: Ist eine Organisation noch in der Lage, einem realen Menschen bei einem realen Problem unmittelbar zu helfen?


Österreichisches NegativbeispielKroatisches Positivbeispiel
App ohne LösungPersönliche Hilfe vor Ort
Helpdesk ohne DurchgriffMitarbeiterin mit Handlungsspielraum
E-Mail statt direkter KontaktaufnahmeSofortige Bearbeitung am Schalter
Kunde wird weiterverwiesenKunde wird begleitet
Problem bleibt ungelöstProblem nach wenigen Minuten gelöst


Natürlich ist Kroatien nicht automatisch in allem besser als Österreich. Und natürlich kann auch dort ein schlechter Servicetag vorkommen. Aber Markels Geschichte wirkt deshalb so stark, weil sie eine Erfahrung verdichtet, die viele Österreicher teilen: Man reist in ein anderes Land und stellt plötzlich fest, dass Dinge dort funktionieren, die bei uns als angeblich unmöglich, unzuständig oder nicht vorgesehen gelten.

Was Österreich aus solchen Geschichten lernen müsste

Der entscheidende Punkt ist nicht Nostalgie. Es geht nicht darum, jede digitale Anwendung abzulehnen oder in eine romantisierte Vergangenheit zurückzukehren. Digitalisierung kann hervorragend sein, wenn sie das Leben einfacher macht. Sie wird aber zur Zumutung, wenn sie nur dazu dient, persönliche Verantwortung abzuschaffen und Kosten auf Kunden, Bürger und Unternehmer abzuwälzen.

Österreich braucht daher keine weiteren Hochglanzkampagnen über Innovation, Standortqualität oder Serviceorientierung. Österreich braucht eine Rückkehr zu einem einfachen Prinzip: Wer ein Problem verursacht oder verwaltet, muss auch dafür sorgen, dass es rasch gelöst wird. Das gilt für Banken ebenso wie für Behörden und öffentliche Stellen.

Dazu gehört, dass Organisationen wieder echte Zuständigkeiten schaffen. Ein Team kann sinnvoll sein, aber es darf nicht dazu führen, dass niemand mehr persönlich Verantwortung trägt. Digitale Kanäle können hilfreich sein, aber sie dürfen nicht der einzige Weg sein, wenn es kompliziert wird. Und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen die Erlaubnis haben, Hausverstand einzusetzen, statt bloß Prozessketten zu bedienen.

Warum das für Österreich gefährlich ist

Solche Alltagserfahrungen wirken klein. Aber sie haben große Folgen. Wenn Unternehmer ihre Zeit mit Serviceblockaden verlieren, sinkt die Produktivität. Wenn Bürger den Eindruck bekommen, dass niemand zuständig ist, sinkt das Vertrauen. Wenn junge Menschen erleben, dass Initiative und Pragmatismus durch Bürokratie ersetzt werden, verlieren sie den Glauben an die Zukunft des Landes.

Markels zugespitzter Schluss „Flieht, ihr Narren“ ist bewusst drastisch. Man muss diese Formulierung nicht wörtlich nehmen, um ihren Kern zu verstehen. Gemeint ist: Ein Land, in dem einfache Dinge nicht mehr funktionieren, treibt die Leistungsbereiten, Ungeduldigen und Tatkräftigen irgendwann weg. Nicht unbedingt sofort physisch, aber innerlich. Menschen kündigen zuerst emotional, bevor sie wirtschaftlich oder geografisch gehen.

Der Standort Österreich wird nicht nur durch Steuern, Energiepreise oder Regulierung geschwächt. Er wird auch dadurch geschwächt, dass der Alltag für jene, die etwas leisten wollen, unnötig schwer gemacht wird.

Der notwendige Kulturwechsel

Österreich muss wieder lernen, dass Service nicht aus Formularen besteht, sondern aus Verantwortung. Dass Bürger und Kunden keine Störfaktoren in einem Prozess sind, sondern der Grund, warum diese Prozesse überhaupt existieren. Dass Digitalisierung dem Menschen dienen muss und nicht umgekehrt. Und dass ein Mitarbeiter, der zehn Meter entfernt sitzende Kolleginnen und Kollegen nicht direkt kontaktieren kann oder darf, nicht modern arbeitet, sondern Teil eines dysfunktionalen Systems geworden ist.

Der Erfahrungsbericht von Gerald Markel ist daher mehr als eine Beschwerde über eine Bank. Er ist ein Symptombericht über ein Land, das Gefahr läuft, seine praktische Vernunft zu verlieren. Wenn Österreich wieder erfolgreich sein will, muss es nicht nur große Reformen diskutieren. Es muss auch die kleinen Dinge wieder in Ordnung bringen: erreichbar sein, entscheiden können, Verantwortung übernehmen, Probleme lösen.

Denn am Ende entscheidet sich die Lebensqualität eines Landes nicht nur in Regierungsprogrammen und Wirtschaftsberichten. Sie entscheidet sich auch an einem Mittwochnachmittag in einer Bankfiliale. An der Frage, ob jemand sagt: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ Oder ob jemand sagt: „Kommen Sie, nehmen Sie Platz. Wir lösen das.“

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