Daniel Habesohn – Abschied einer österreichischen Tischtennis-Ikone
Mit Daniel Habesohn beendet einer der erfolgreichsten österreichischen Tischtennisspieler der vergangenen Jahrzehnte seine Karriere im Nationalteam. Der Wiener zog im August 2026, wenige Monate nach seinem 40. Geburtstag und noch vor der Europameisterschaft in Laibach, einen Schlussstrich unter seine lange Laufbahn im rot-weiß-roten Dress. Dem Tischtennissport selbst bleibt er jedoch erhalten: Habesohn spielt weiterhin in der deutschen Bundesliga für den TSV Bad Königshofen.

Eine außergewöhnliche Karriere
Daniel Habesohn wurde am 22. Juli 1986 in Wien geboren und entwickelte sich über viele Jahre zu einer der tragenden Säulen des österreichischen Nationalteams. Seine internationale Karriere ist insbesondere durch drei Europameistertitel geprägt.
Gemeinsam mit seinem langjährigen Doppelpartner Robert Gardos wurde Habesohn 2012 in Herning und 2018 in Alicante Europameister im Doppel. Dazwischen gelang 2015 in Jekaterinburg einer der größten Erfolge der österreichischen Tischtennisgeschichte: Österreich gewann den Europameistertitel im Mannschaftsbewerb.
Gerade die Erfolge mit Gardos nehmen für Habesohn einen besonderen Stellenwert ein. Der erste EM-Triumph 2012 kam überraschend, während der Titelgewinn 2018 für ihn besonders emotional war, weil seine Mutter Sonita vor Ort mitfieberte. Zu seinen bedeutendsten Einzelerfolgen zählt außerdem der Turniersieg bei den Ungarn-Open 2014.
Auch auf Vereinsebene erreichte Habesohn die europäische Spitze. Mit SVS Niederösterreich gewann er 2008 die European Champions League. Später spielte er viele Jahre für den Post-SV Mühlhausen in der deutschen Bundesliga, ehe er zur Saison 2025/26 nach Bad Königshofen wechselte.
Fünfmal bei Olympischen Spielen
Besonders bemerkenswert ist Habesohns außergewöhnliche olympische Kontinuität. Zwischen 2008 und 2024 nahm er an fünf Olympischen Spielen teil. Als einen seiner schönsten olympischen Momente bezeichnet er rückblickend sogar die Qualifikation für Paris 2024. Auf dem Weg dorthin gelangen ihm unter anderem wichtige Siege gegen den Schweden Truls Möregårdh und den Briten Liam Pitchford. Die Atmosphäre bei den Spielen in Paris und die Anwesenheit seiner Familie machten seine letzte Olympiateilnahme zu einem besonderen Abschluss.
Seine beste Position in der Einzel-Weltrangliste war Rang 27. Die internationale Statistik weist für Habesohn mehr als 650 erfasste Einzelmatches aus – ein weiterer Hinweis auf die enorme Dauer und Konstanz seiner Laufbahn.
Warum Habesohn im Nationalteam aufhört
Der Rücktritt erfolgt nicht aufgrund eines einzelnen sportlichen Misserfolgs. Habesohn nennt vielmehr die zunehmende Belastung durch den internationalen Turnierkalender als entscheidenden Grund. Um in der Weltrangliste konkurrenzfähig zu bleiben, seien permanente Reisen und Turnierteilnahmen notwendig. Gleichzeitig habe er gemerkt, dass ihm diese Turniere nicht mehr dieselbe Freude bereiteten und die letzten Prozent Motivation für das tägliche Spitzentraining fehlten.
Seinen letzten großen Auftritt mit Österreich hatte er bei der Team-Weltmeisterschaft im April 2026 in London. Österreich erreichte dort den neunten Platz, wobei Habesohn als erfahrene Leitfigur mit wichtigen Auftaktsiegen wesentlich zum Abschneiden der Mannschaft beitrug.
Familie, Bundesliga und „Spin City“
Der Rückzug aus dem Nationalteam bedeutet keineswegs das vollständige Ende seiner aktiven Laufbahn. Habesohn will sich künftig gezielter auf seine Einsätze in der deutschen Bundesliga für Bad Königshofen vorbereiten. Durch den Wegfall zahlreicher internationaler Verpflichtungen erwartet er sogar, auf Vereinsebene wieder mit größerer Frische auftreten zu können.
Gleichzeitig gewinnt das Leben abseits des internationalen Spitzensports an Bedeutung. Habesohn möchte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und sich stärker seinem eigenen Tischtennisprojekt „Spin City“ in Wien-Alterlaa widmen. Dort verfolgt er die Idee, Tischtennis mit einer moderneren Atmosphäre und mehr Lifestyle zu verbinden.
Erfolge im Überblick
- Europameister im Doppel 2012 mit Robert Gardos
- Europameister mit der österreichischen Mannschaft 2015
- Europameister im Doppel 2018 mit Robert Gardos
- Champions-League-Sieger 2008 mit SVS Niederösterreich
- Sieger der Ungarn Open 2014 im Einzel
- Fünf Teilnahmen an Olympischen Spielen zwischen 2008 und 2024
- Weltranglisten-Bestmarke: Platz 27
- Zahlreiche weitere EM-, internationale und nationale Erfolge
Ein prägendes Gesicht des österreichischen Tischtennis
Daniel Habesohns Bedeutung lässt sich nicht allein anhand von Medaillen und Ranglistenplätzen messen. Über viele Jahre gehörte er zu jener Generation, die Österreich dauerhaft in der europäischen Spitze etablierte. Gemeinsam mit Spielern wie Robert Gardos prägte er eine besonders erfolgreiche Phase des österreichischen Herren-Tischtennis.
Sein Rücktritt aus dem Nationalteam markiert daher einen Einschnitt. Habesohn verabschiedet sich als dreifacher Europameister, fünffacher Olympiateilnehmer und langjährige Führungspersönlichkeit des ÖTTV-Teams. Gleichzeitig bleibt er dem Sport als Bundesligaspieler und mit seinem eigenen Tischtennisprojekt verbunden.
Damit endet zwar das Kapitel Nationalteam Daniel Habesohn – seine Verbindung zum österreichischen Tischtennis aber keineswegs.
Quelle: Österreichischer Tischtennis-Verband, „Daniel Habesohn – eine ÖTTV-Ikone tritt zurück“, 18. August 2026.
Originalbeitrag des ÖTTV